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Auf dem Holzweg über die Biscaya_Der Weg zum Boot

Zunächst eine Warnung

Ich denke, dieser Bericht wird sehr ausführlich.

Ich weiß nicht, in wieviel Teilen ich ihn schreibe und ich weiß nicht, ob ich teilweise zu sehr ausschweife. Du, als Leser kannst Dich dem entziehen, in dem Du einfach nicht weiterliest oder eben einige Zeilen überspringst.

Mir, dem Autor, fehlt diese Möglichkeit, ist doch die Schreiberei meine Art der Verarbeitung, der Ordnung und auch der Archivierung des Erlebten. Ich muss es rausschreiben, ich kann nicht anders. Ich könnte versuchen, Lieder zu schreiben und zu singen aber ich vermute, dies würde niemand wirklich wollen.

Also, nun seid Ihr gewarnt.

Und, dass müsst Ihr wissen, dieser Törn war es, welcher mich von Anfang an am meisten beschäftigte. Nein, ich hatte seglerisch keine Angst aber er beschäftigte mich halt. Mindestens drei Nächte draußen, der längste Zeitraum ohne Kontakt zur Außenwelt, den Elementen ausgesetzt.

 

Und ja, ich muss ehrlich zugeben, dies alles hatte seinen Ursprung in den ganzen Warnungen, den Geschichten und Berichten über eben die Biscaya. Ich wusste, die meisten Warnungen und Geschichten kamen von jenen, die die Biscaya maximal mit dem Finger auf der See- oder wahrscheinlich eher Landkarte überquert haben aber ob ihrer Häufigkeit haben sie Wirkung gezeigt.

 

So, dann lege ich los.

Nachdem der letzte Törn für mich die allergrößte Tortur war, freute ich mich zwar auf die nun anstehende Fahrt, komme aber nicht umhin zuzugeben, dass ich große Angst verspürte, wieder von einer derart unfassbar unerträglichen Seekrankheit übermannt zu werden.

Was, wenn es wieder passiert? Was, wenn das sorglose Segeln bei jedem Seegang ein Ende hat und ich mein Hobby an den Nagel hängen muss.

Es mag übertrieben klingen aber dies waren, neben den oben bereits erwähnten Gedanken, meine Sorgen.

Was solls, nichts half. Nachdem wir eine Weile auf ein Wetterfenster warten mussten, zeigte sich dieses für die Zeit ab dem 10.04.2022.

Es war mit achterlichem Wind oder eben Halbwind zu rechnen. Montag beginnend mit ca. 4 Bft und dann die Tage leicht abnehmend.

Eigentlich fast schon optimal. Eigentlich. Aber auf jeden Fall besser als ein Amwindkurs.

Für die Nichtsegler, Amwindkurs heißt dauerhafte Schräglage, nicht unerheblicher Ruderdruck, so dass man dies nicht unbedingt durchgehend den Autopiloten machen lassen kann oder sollte. Also wirklich Arbeit.

Flüge gebucht. Da Ferienanfang waren es dieses mal auch keine günstigen Flüge aber dies ist das Leid aller Eltern schulpflichtiger Kinder und Lehrergatten*Innen*s.

Freitag, der 08.April 2022

Freitag,

direkt nach der Schule, meine Crew ist schulpflichtig, brachte uns mein Lieblingsohn mit meinem Auto zum Köln-Bonner Flughafen.

Für ihn auch ein „großer“ Tag aber das müsste er erzählen.

Am Flughafen angekommen, durfte der andere Lieblingsohn erst einmal damit beginnen, seine Überfahrt abzuarbeiten. Er musste den Koffer schleppen.



Am Flughafen war erwartungsgemäß viel los aber insgesamt ging es schnell. Viele mögen es anders sehen aber ich empfand es befreiend, nicht mehr mit der Maske im Gesicht herumlaufen zu müssen. Das machte es mir wesentlich leichter.

Dann ging es nach Bergamo / Italien.

Direktflüge nach Santiago de Compostela, dem unserem Reiseziel nächstgelegenen Flughafen, gab es nicht. Dies kam mir aber auch sehr gelegen, da ich so einige Stunden Aufenthalt in dieser Stadt einplanen konnte.

 

Ihr erinnert Euch vielleicht, diese Stadt hat mich beim letzten Aufenthalt derart berührt, dass es mir ein großes Anlegen war, sie zumindest ein wenig mit meiner Liebsten zu durchstreifen.

In Bergamo gelandet, standen wir wenige Minuten später vor dem Flughafen. Wir konnten unser Hotel, eines der nh-Gruppe, zwar auf der anderen Straßenseite erblicken, mussten uns aber dennoch eines Taxis bedienen, um es zu erreichen. Denn es handelte sich um eine Schnellstraße und der Marsch hätte sicher 20 Minuten gedauert. Dazu waren wir zu faul.

Taxi genommen und los. Wenige Augenblicke später standen wir vor dem Empfang. Eingecheckt, Zimmer bezogen, Taxi für die Abreise am nächsten Morgen bestellt und ab ins Restaurant.

Das Essen war OK, man könnte auch sagen, wir hatten Hunger. Das Bier tat gut.

Dann wurde es Zeit für die Nachtruhe, denn um 4.30 war Einchecken für den Anschlussflug angesagt.


Das klingt, schreibe ich es so nieder, alles fast schon stressig und liest sich wahrscheinlich nicht wie Urlaub. Dem war nicht so. Es war toll, es war der erste Tag eines Abenteuers, auf welches ich nunmehr einige Monate lang hingesegelt bin.

Samstag, der 09.April 2022

Um 04.00 Uhr klingelte der Wecker. Körperliche Reinigungsarbeiten vollzogen und runter in die Lobby. Frühstück gab es noch keines aber einen Kaffee zauberte mir die junge Dame dort. Kaffee können sie dort. Das tat gut.

Dann kam das Taxi. Die gleiche Fahrt, welche am Abend zuvor wenige Minuten dauerte und 17,00 EUR kostete, sollte nun 25,00 EUR kosten.

Was soll´s. Ich bin auf dem Weg zum Schiff und diese nette Seele muss, anstatt bei Frau und Kind zu sein, arbeiten. Da zahlt man ohne murren.

Am Flughafen angekommen mussten wir lange laufen um das Ender der Schlange an der Sicherheitskontrolle zu erreichen. Aber auch hier ging die Abfertigung reibungslos und schnell.

Wir landeten circa um 09.00 Uhr in Santiago de Compostela. Der Flughafen ist, ich finde keine anderen Worte, süß.

Schnell ins Taxi, die Fahrt zwischen Stadt und Airport schlägt mit pauschal 21,00 EUR zu Buche, und los ging es. Mitten im Zentrum raus.

Nun hieß es, den großen Koffer loszuwerden. Wir wollten ihn nicht den ganzen Tag schleppen.

Ich habe hierzu im Internet ein Angebot ausfindig gemacht. Bei stasher.com kann man tageweise Lagerplatz für sein Gepäck buchen. 

 

Dumm nur, dass es die erste, dort genannte Anlaufstelle nicht gab, wir also zur nächsten mussten. Diese gab es an der angegebenen Stelle auch nicht. Aber nun suchte ich ein wenig und fand das entsprechende Geschäft einige hundert Meter entfernt unter anderer Anschrift. Es war ein Küchenutensiliengeschäft. Der Laden war noch geschlossen, jedoch gab es keine Hinweise auf stasher.com oder auf eine Gepäckaufbewahrung.

Wir waren skeptisch. Also erst einmal eine Ecke weiter und gefrühstückt.

Wie so oft kam dann eine Dame zu uns an den Tisch und fragte nach Geld. Es gelang mir nicht, ihr zu erklären, dass ich ihr kein Geld geben würde, sie aber gerne zum Essen einlade. Zum Glück war die Dame am Nachbartisch dann so nett und übersetzte. Somit konnten wir Karmapunkte sammeln.

Wenig später waren wir dann wieder am Ladenlokal. Schüchtern, wie ich nun einmal bin, ging ich hinein und erkundigte mich, ob man das Gepäck dort wirklich abgeben und lagern könne. Es ging problemlos. 5 Eure pro Tag, man sollte nur beachten, dass sie nachmittags eine Stunde lang schließen. War für uns völlig in Ordnung.

Dort trafen wir auch die nette Dame von zuvor, die Übersetzerin. Sie war aus dem gleichen Grund wie wir im Café und nun im Geschäft.

Nun ging es endlich in die Stadt.

Ich weiß nicht, ob ich es vermitteln kann. Ich war gespannt, fast nervös, wie Frau die Stadt aufnehmen würde. Ist sie begeistert wie ich oder müsste ich erkennen, dass nur meine Wenigkeit so berührt war. Lächerlich, ich weiß, aber so ist es nun einmal.

Meine Sorgen waren erkennbar unbegründet. Es gefiel Ihr.


Auf dem Weg zur Kathedrale gingen wir dann an einer Einfahrt vorbei. Von außen sehr unscheinbar, ließ der Blick hinein jedoch schon vermuten, dass es darin schön sein müsse.

Das alleine reichte aus um dort einzukehren und es hat sich gelohnt. Eine Terrasse, ein  Traum. Wunderschön eingerichtet, traumhaft bepflanzt und eine Aussicht von hinten auf die Altstadt. Rein wegen dieser Aussicht werde ich dort, es ist ein kleines Hotel, sicher einmal eine Nacht verbringen. Dort muss man im Frühsommer frühstücken.




Dann zur Kathedrale und anschließend die obligatorischen Souvenirs erstehen.

 

 

Es waren wenige Stunden, es waren anstrengende Stunden aber jede Minute hat sich gelohnt.

 

Später ging es zum Bahnhof. Wir entschieden uns, mit dem Zug nach A Coruna zu fahren. Dauer 27 Minuten, 15,00 EUR Gesamtkosten für uns drei.

Mit maximal 157 km/h ging es dem Ziel entgegen.




In A Coruna angekommen nahmen wir uns ein Taxi. Es ging direkt in den Hafen, fast bis in das Boot hinein. Wieder zu Hause.

Diesmal mit Familie.

Es war traumhaft.

Schnell wurden die Sachen im Boot verstaut und schon ging es auf die Hafenpromenade.

Das Kind konnte sich austoben und wir unsere Ankunft mit einem Bier krönen.

 

Es war eine insgesamt wunderschöne Anreise.








Sonntag, der 10. April 2022

Für Sonntag war unser Mitsegler angekündigt. Eigentlich wollte er Samstag spät abends schon da sein aber der Flug machte ihm einen Strich durch die Rechnung, so dass er mit einem der ersten Züge kam. ETA war 08.15 Uhr.

Also ging ich, nett wie ich bin und nicht anders kann, gegen kurz nach 08.00 Uhr nach vorne auf die Promenade. Dort nahm der Törn beinahe ein jähes Ende, denn mir kam ein Taxi entgegen, ich denke, der Fahrer wollte mich überfahren.

Es war Frank, der Mitsegler. Ein wenig leises Ey flutschte mir aus dem Mund und das Taxi blieb stehen. Nein, so eng war es nicht aber ich wurde schlicht ignoriert.

Dann konnten wir uns begrüßen. Frank musste lange zittern, ob er kommen könne aber das mag er selbst berichten. Jedoch war die Freude groß.

Wir gingen gemeinsam an Bord. Es folgten die Begrüßung der restlichen Crew, die übliche Besichtigung der Schweden IV, welche offiziell noch heißt Esmeralda II, und nach einem Kaffee eine ausführliche Sicherheitseinweisung.

Später unternahmen wir aus kulturellem Interesse und von Hunger getrieben, einen Rundgang durch die Altstadt. Wir kehrten ein in einem kleinen Restaurant und man erklärte uns freundlich die Karte.

Irgendwann entschloss ich mich, wieder eine „mutige“ Bestellung abzugeben. „Surprise me“ lautete es. Die anderen beiden schienen ein wenig zu staunen, schlossen sich jedoch sofort an.

Es wurde eine wunderbare Überraschung. Ich mag nicht über Speisen berichten aber es war insgesamt einfach schön. Dazu kam auch der Koch noch und erkundigte sich nach den Gästen mit der mutigen Bestellung.

Es waren gut angelegte 100,00 EUR, sie waren unbezahlbar.

Montag, der 11. April 2022

Eigentlich wollten wir nachmittags erst auslaufen. Grund hierfür war, dass es nachmittags einen Halbwind geben sollte. Ich hoffte, dass dies für den Einstieg und die Mägen der Crew besser sei als mit dem noch herrschenden, achterlichen Wind zu starten.

 

Die Vorhersage änderte sich aber dahingehend, dass es keinen Halbwind geben würde. Also beschlossen wir, morgens einzukaufen, zu tanken und dann zu starten.

 

Die Segler sprechen hier gerne von proviantieren und Diesel bunkern. Ich bin scheinbar doch kein Segler.

Der Einkauf war ein Leichtes. Umso mehr Einsatz musste Frank zeigen, damit wir einen Einkaufswagen zwecks Transportes der erstandenen Artikel zum Boot aus dem Geschäft mitnehmen konnten und durften.

Aber Frank gab sein Bestes und seinen Personalausweis.Es klappte.

Schwieriger war es, die leere Gasflasche umzutauschen. Ich habe zwei der großen blauen Gasflaschen an Bord. Eine war voll, die andere nicht. Aber die beste Frau hat gezaubert. Sie tauschte die Flasche um. Wir haben nun eine dunkelblaue Gasflasche. Ich bin gespannt, ob die Niederländer diese annehmen werden. Wenn nicht? Auch egal.

 

Und es versteht sich, soviel sei verraten, dass wir die neue Flasche bis nach Dieppe nicht brauchten.

Wir fuhren zur Tankstelle und um 14.15 Uhr ging es dann
endgültig los.

 

Unsere Fahrt begann.

Es geht in Richtung Brest. Welchen Hafen wir am Ende anlaufen würden, wollten wir später entscheiden.

Es wurde nicht Brest.








Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Stefan Oster

    Alles schön und gut, aber wann habt ihr gemerkt dass der Koffer noch in diesem Küchenutensiliengeschäft steht? 🙄

    1. Pete [Piet]

      Nur, weil es nicht geschrieben steht, ist es nicht geschehen.
      Wir haben den LAden bewusst so ausgewählt, dass er halbwegs auf dem Weg zum Bahnhof liegt und wir den Koffer daher nicht so weit schleppen müssen. Eine gute Idee. 😉

  2. Michael Busch

    freue mich auf die nächsten Einträge.

  3. Susanne Kemkes

    Moin, schön geschrieben, lese immer wieder gerne. Und schon zu Ende… hatte auf mehr gehofft 😃

    Weiter gute Reise, guten Wind und natürlich die Handbreit..

    LG Susanne Kemkes
    von der SiRA im IJsselmeer
    (FB: Susanne Irma)

    1. Pete [Piet]

      Danke für die lieben Worte.
      Es geht ja weiter.

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